SwissReca

Swiss Registry of Cardiac Arrest (SWISSRECA)

Einführung

Der Interverband für Rettungswesen (IVR) ist der schweizerische Dachverband von Organisationen, die sich mit der präklinischen Versorgung von Notfallpatienten im Rahmen des Rettungswesens befassen. Der IVR fördert und koordiniert als Dachorganisation das medizinische Rettungswesen der Schweiz. In seinen Statuten gehört nebst anderen Aufgaben, die Förderung der Qualitätssicherung im Rettungswesen zum Kerngeschäft (Art.2 – Statuten IVR, Vers. 2013). Die Vereinbarung des IVR mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -Direktoren (GDK) in Bern, sieht unter anderem vor, dass der IVR die Schaffung einer Datenbasis über Kenndaten des Rettungswesens unterstützt.

In Bezug auf klinische und epidemiologische Aspekte des Rettungswesens ist sich die medizinische Literatur ziemlich einig darüber, die Anstrengungen der Qualitätssicherung und Kenndatenerhebung primär auf spezifische Krankheitsbilder zu fokussieren. Es handelt sich um medizinische Notfallsituationen, welche ohne adäquate präklinische Versorgung zu gravierenden Folgeschäden oder dem Tod innert kürzester Zeit führen. Davon betroffen sind Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand, Herzinfarkt, Schlaganfall, akuter Atemnot oder schwerem Trauma. Diese fünf Notfallsituationen werden unter dem Begriff First Hour Quintet (FHQ), neuerdings mit Einbezug der schweren Sepsis auch als First Hour Sextet (FHS), synthetisiert beschrieben.

Obwohl der Herz-Kreislaufstillstand nur 1 bis 2% aller Einsätze eines Rettungsdienstes ausmacht, ist gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Herzkreislauf-erkrankung bei weitem die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod (vor Vollendung des 65. Lebensjahres) in den Ländern mit hohem Einkommen. In Europa sind zirka 2'000 Personen täglich von einem Herzkreislaufstillstand betroffen, davon 22 Schweizer und Schweizerinnen.

Warum ein Reanimationsregister?

Der Bedarf, den Prozess der präklinischen Versorgung bei reanimationspflichtigen Patienten auf Schweizer Boden zu erfassen, hat den Vorstand des IVR im Jahr 2014 dazu bewogen, das Projekt eines nationalen Registers zu lancieren. Der Auftrag des Vorstandes wurde an eine teils externe Projektgruppe erteilt, welche vor allem von Kompetenzen und Erfahrungen aus dem Kanton Tessin - betreibt ein präklinisches Reanimationsregister seit 1995 - profitieren konnte. Ziel des Auftrages, ist ein webbasiertes, bedienerfreundliches und zugleich aussagekräftiges Register zu erstellen, welches den präklinischen Ablauf erfassen kann.

In der Schweiz liegt die mittlere Anfahrtszeit eines Rettungswagens bei zirka zehn Minuten, ein Intervall der sich im städtischen Bereich natürlich eher verkürzt, im ländlichen aber exponentiell zunimmt. Da der Herzkreislaufstillstand das absolut zeitabhängigste Krankheitsbild ist - mit jeder Minute ohne Basisreanimation die vergeht, schwindet die Überlebenschance um zirka 10% - ist der Rettungsdienst auf externe (Laien) Hilfe angewiesen. Damit ein Patient bessere Überlebenschance hat, braucht es also ein ausgeklügeltes regionales Netzwerk von Ersthelfern, welches die Wartezeit bestmöglich überbrücken hilft . Mit der Erkenntnis, dass man nichts verbessern kann was man nicht misst, sollte das Reanimationsregister das ganze System (Rettungskette) berücksichtigen und Daten zu dessen Verbesserung liefern. Da es auch bei der Datenerfassung für ein klinisches Register um humane Forschung handelt, mussten für die ganze Schweiz gültige, gesetzliche und ethische Grundlagen sowie die Good Clinical Practice Richtlinien, gemäss Deklaration von Helsinki, berücksichtigt werden.

Die Bewilligung erteilte die Schweizerische Ethikkommissionen für die Forschung am Menschen (Swissethics) dem IVR im Oktober 2016. Sie gab damit den Startschuss für das Schweizerische Herzkreislauf Register mit der englischen Bezeichnung von Swiss Registry of Cardiac Arrest - SWISSRECA.

Gemäss den Vorgaben von Swissethics, muss der IVR einen Antrag für jeden SWISSRECA Studienstandort an die zuständige regionale Ethikkommission stellen. Dies dient hauptsächlich dazu, den Datenschutz und das Selbstbestimmungsrecht der Patienten zu gewährleisten. Betroffen davon sind in erster Linie die Rettungsdienste und die Spitäler.

Wie funktioniert SWISSRECA?

Zuständig für die Registrierung der präklinischen Herzkreislaufstillstände ist in erster Linie der beteiligte Rettungsdienst. Es ist dem jeweiligen Rettungsdienst überlassen, wer intern für die Dateneingabe zuständig ist. Das kann ein Mitarbeiter sein (Stufe «user») oder auch ein Führungsmitglied (Stufe «super-user»).

Nach Speicherung der Daten bekommen die SWISSRECA-Ansprechpartner (Stufe «super-user») der direkt involvierten Institution (z.B.- SNZ 144, Luftrettung und Spital) eine automatisierte Email-Benachrichtigung, welche sie darüber informiert, dass ein neuer, sie betreffender Einsatz soeben eingegeben wurde. Ein in der Email platzierter verschlüsselter Link wird den SWISSRECA-Ansprechpartner der Partnerorganisation gezielt zur eben gespeicherten Eingabe bringen. Sinn und Zweck dieser Benachrichtigung ist es, den verschiedenen Akteuren die Möglichkeit zu geben, die «eigenen» Daten zu kontrollieren, zu vervollständigen oder zu korrigieren.

Auf der Stufe «user» ist nur die Dateneingabe möglich. Späteres Zugreifen auf die eigenen Daten, respektive einen Überblick über die gesamten Einträge des eigenen Rettungsdienstes, ist nicht möglich. Auf der Stufe «super-user» stehen hingegen alle Daten der eigenen Organisation zu Verfügung. Mittels eines Report- und Exports Button hat der super-user die Möglichkeit, jederzeit die Resultate seiner Organisation in einem von ihm definierten Zeitfenster zu sehen und bearbeiten.